Anreise und Ankunft

Der Weg zum Flughafen schien nichts besonders Aufregendes zu sein… ich hatte die Tatsache, dass ich nun für ein ganzes Jahr weg sein würde immer noch nicht wirklich realisiert. Nachdem ich die letzten Nächte wenig und die letzte Nacht gar nicht geschlafen hatte, war ich gefühlsmäßig zwischen aufgedreht und übermüdet. Auch die Ankunft am Flughafen änderte nichts an meinem Gefühl. Die Gepäckaufgabe funktionierte reibungslos und zeitlich waren wir völlig im Plan. Nachdem es nun aber zur Sicherheitskontrolle ging und ich mich verabschieden musste, wurde mir klar, dass ich diese Umarmungen für längere Zeit nicht mehr spüren würde. Ich wusste, dass ich den Abschied nicht zu lange hinauszögen kann, denn sonst wäre mein Abenteuer an dieser Stelle schon vorbei gewesen. Ich ging also Richtung Kontrolle, blickte nochmals zurück und so traurig ich zu diesem Zeitpunkt auch war, wurde mir augenblicklich bewusst, dass es nun losgeht. Ein Gefühl voller Vorfreude und Panik zugleich. Es dauerte einige Zeit bis ich mich davon wieder beruhigt hatte und einen klaren Kopf hatte um zu wissen wo ich hinmusste. Als es dann losging und ich im Flieger saß kamen erneut sämtliche Zweifel auf, die mich schon seit der Entscheidung für den Freiwilligendienst begleiteten und ich hoffte darauf, dass etwas den Start des Fliegers verhindern würde. Diese Hoffnung dauerte den ganzen Weg bis zu Startbahn. Ich begann mich selber zu fragen, warum ich mir das eigentlich antue und redete mir ein, dass ich doch glücklich bin so wie es bisher war und selbst der Regen der an mein Fenster rieselte schien attraktiv genug um in Deutschland zu bleiben. Doch als der Pilot dann die Turbinen hochjagte wurde mir klar, dass der Flieger abheben und ich das Abenteuer tatsächlich beginnen würde.

Nachdem wir nun mehrere Meter über Düsseldorf flogen und ich voller Wehmut die Schönheit der kleinen Lichter des Flughafens und der Stadt betrachtete kamen neue positive Gedanken, die mich wieder zur Realität zurückholten und mich in meinem Vorhaben stärkten. Ich verbrachte die Zeit im Flieger damit, über all die schöne Zeit die ich bisher in Köln hatte nachzudenken und dachte an all die Menschen, die mir besonders wichtig sind und mich dabei unterstützt hatten das zu tun, was ich vorhabe. Ich sagte mir immer wieder, dass mein Zuhause nur einen Flug entfernt ist und dass ich jederzeit zurückkann. Zudem werde ich ja „nur“ für ein Jahr weg sein und die Erfahrungen die ich in diesem Jahr sammeln werde, werden mich mein ganzes Leben begleiten. Kurze Zeit später sagte der Pilot auch schon die Vorbereitung der Landung an und mein Kopf schaltete automatisch auf Funktionsmodus um.

In Amsterdam gelandet hatte ich genug Aufenthaltszeit, wodurch zum Glück keine Eile angesagt war. Nachdem ich ein wenig durch den Flughafen schlenderte und mir die letzten Gedanken an meine Heimat durch den Kopf schwirrten ging ich Richtung Gate, wo ich meine Mitreisenden antraf. Das war ein beruhigendes Gefühl, denn nun war ich nicht mehr alleine. Wir warteten darauf endlich in den Flieger zu können und als es dann losging hoffte ich auf meinen langersehnten Schlaf, der mir die letzten Tage fehlte. An meinem Platz angekommen stellte ich schnell fest, dass daraus nicht viel werden würde, denn ich hatte den Jackpot mit einem Mittelsitz gezogen. Kommt davon, wenn man zu Erinnerung lieber ein „Originalticket“ vom Schalter haben will, statt online einzuchecken. Zum Glück war die Auswahl an Unterhaltung groß genug um die Zeit zu vertreiben. Nach einiger Wartezeit in São Paolo ging es dann weiter nach Asunción und so langsam machte mir die lange Anreise zu schaffen. Ich war ziemlich froh, als wir zum letzten Mal an diesem Tag landeten. Mittlerweile waren es 2 Uhr Ortszeit in Paraguay und ich war nun seit 24 Stunden unterwegs. Am Flughafen wurden wir dann von unserer AFS-Koordinatorin Sara abgeholt. Zum ersten Mal die Luft von Paraguay zu spüren und einzuatmen war großartig. Als wir ins Hotel Portal del Sol in der Nähe des Flughafens gebracht wurden konnten wir leider nicht viel von der Stadt erkennen, weil es schon zu dunkel war. Im Hotel angekommen war die Vorfreude kaum in Worte zu fassen und die Gewissheit, dass wir nun in Asunción waren einfach atemberaubend, aber trotzdem irgendwie irreal. Nach einem völlig aufregenden Tag ging es dann endlich ins Bett und ich war so froh, endlich mal wieder schlafen zu können.

Am ersten Tag in Asunción gab es dann mehrere Informationen von Doris und Viviana (Freiwillige von AFS-Paraguay) über unseren Aufenthalt vor Ort. Es war interessant gestaltet, aber eigentlich wollte ich nur raus und die Stadt entdecken. Dies war leider nicht möglich, also musste ich mich noch ein wenig gedulden, denn schon am nächsten Tag würde ich von meiner Gastfamilie abgeholt werden. Die Aufregung stieg mit jeder Minute, in der dieser Moment näherkam. Als es dann endlich soweit war und meine Familie die Hotellobby betrat, war ich überglücklich. Ich wurde total herzlich empfangen und glücklicherweise stellte sich heraus, dass mein Gastpapa Jesus und mein Gastbruder Bruno englisch sprechen, sodass die Kommunikation sehr einfach war. Meine Gastmama Mirna und mein anderer Gastbruder Diego sprechen nur ein bisschen englisch und meine kleine Gastschwester Luciana spricht nur spanisch. Mir wurde also klar, dass ich ganz schnell lernen muss, besser spanisch zu sprechen, damit mich alle Familienmitglieder verstehen, denn mein bisheriges spanisch reichte für die Kommunikation definitiv nicht aus.

Der erste Weg mit meiner Gastfamilie ging zum nahegelegenen Supermarkt und ich betrachtete die einzigartige Schönheit der Straßen während wir uns unterhielten. Als wir dann nach dem Einkauf im Haus meiner Gastfamilie ankamen wurde ich natürlich erst einmal rumgeführt. Ein großes und sehr schönes Haus mit Garten. Ich bekam ein eigenes Zimmer mit Bad, welches eigentlich Luciana gehört und richtete mich gleich dort ein. Ich fühlte mich auf Anhieb sehr wohl und meine Gastfamilie gab mir zu keinem Zeitpunkt das Gefühl nicht willkommen zu sein. Am gleichen Abend ging es dann zum Fußballspiel von Bruno. Dort wurde ich allen als neues Familienmitglied vorgestellt und vor Allem Luciana freute sich ihre neue große Schwester vorzustellen. Es war unglaublich warm, obwohl die Sonne schon längst untergegangen war. Das Spiel war in einer großen Schule, wo alle Schulen aus der Umgebung in einem Turnier über mehrere Wochenenden gegeneinander antraten. Als wir ankamen, dauerte es noch etwas bis Brunos Spiel losging und wir schauten uns ein Soccerspiel in der Halle neben dem Fußballplatz an. Ich bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Beide Teams hatten ihre Fans dabei und die Halle war so laut, dass selbst das Pfeifen des Schiris nicht zu hören war. Das Anfeuern der Fans war eine riesen Party mit Trommeln, Trompeten, tollem Gesang und Tänzen. Es war unglaublich schön und ansteckend und ich bekam sofort das Bedürfnis mich mitzubewegen. Das Spiel von Bruno hat ebenfalls viel Spaß gemacht. Es waren sehr viele Leute da und auch hier sangen die Fans im Hintergrund, allerdings wirkte es auf dem Platz nicht so überwältigend wie in der Halle.

Auch die nächsten Tage verliefen sehr harmonisch und wir unternahmen sehr viel. Wir bekamen Besuch von weiteren Familienmitglieder oder wir fuhren diese besuchen, aßen zusammen und unterhielten uns. Es gab sehr viel Fleisch, aber auch Nudeln, Reis, Gemüse, Salate und Brot. Alles war sehr lecker und alle interessierten sich für meine Beweggründe nach Paraguay zu kommen und wie mein Leben in Deutschland ist. Dem Nationalgetränk Tereré bin ich schon zu Beginn total verfallen. Es ist Mate-Tee, der anstatt mit heißem Wasser, mir eiskalten Wasser aufgegossen und aus einem Becher mit Strohhalm getrunken wird. Sehr erfrischend und gemeinschaftsbildend, denn der Becher wird immer neu aufgefüllt und weitergegeben. Muss man einfach probiert haben.

Als meine Familie dann wieder arbeiten bzw. in die Schule musste blieb mir zum Glück noch ein bisschen Zeit zum Eingewöhnen bis meine Arbeit im Projekt startete. Diese Zeit nutzte ich um meine Spanischkenntnisse aufzubessern und meinen Blog zu vervollständigen. Zudem traf ich mich auch mit einer meiner Mitreisenden, die nicht weit weg wohnte im Park oder in der Mall. Da ich mich aber noch nicht gut auskannte und nicht wusste, welche Busse ich nehmen kann, war ich auf die Unterstützung meiner Gastfamilie angewiesen und oft wurde ich gefahren und wieder abgeholt. Um dem entgegenzuwirken begann ich die Nachbarschaft zu erkunden und lief durch die nahegelegenen Straßen. Da es in Paraguay nicht viel Tourismus gibt, war es kaum zu ignorieren, dass viele über meine Anwesenheit hier verwundert waren. Viele interessierten sich sehr für meine Kultur und die Beweggründe für meine Anwesenheit. Wirklich sehr nette und warmherzige Menschen hier.

7 respuesta a “Anreise und Ankunft”

  1. Hey Nathalie,
    danke, dass Du Deine Eindrücke in diesem Block teilst. Diesen Teil zu lesen, hat mich direkt wieder ins Jahr 2012 versetzt 🙂 Ich bin froh, dass Du einen so guten Start hattest und hoffe, dass es so weiter geht. Mein erster Gastvater hieß auch Jesús 😉
    Alles liebe aus Deutschland
    Michael

  2. Liebe Nathalie,

    Wenn ich das so lese, bekomme ich das grinsen einfach nicht mehr aus dem Gesicht.
    1. Weil ich wirklich das Gefühl habe, dass es dir gut geht und du dich wohl fühlst und das freut mich sehr 🙂
    2. Weil ich direkt Lust bekomme zu reisen. Wenn ich mal dort Urlaub mache, nehme ich dich mit und du zeigt mir all die wundervollen Orte 😉
    Pass auf dich auf und genieß dein Abenteuer. Ich hab dich lieb :-*

  3. Hey Nathalie, dein Blog ist super geworden! Ich freue mich dass es dir da drüben so gut geht und wünsche dir noch viele weitere tolle Erlebnisse, jetzt fängt es erst richtig an 🙂 besos a Paraguay!

  4. Hallo Nathalie!

    Super, dass wir jetzt von dir persönlich News haben:-)
    Ich hab schon ganz neugierig deinen Papa gefragt!
    Wenn ich über deine Ankunft lese und das Gefühl das du hattest muss ich weinen weil das so ein tolles aussergewöhnliches Gefühl ist welches man nicht so oft im Leben haben kann.
    Ich freu mich sehr, dass du ne warmherzige Familie und ein schönes Zuhause dort angetroffen hast.
    Ist das nicht toll, wie man alleine in einer ganz fremden Welt und unter Fremden aufgenommen wird!
    Noch viel toller ist, dass du so offen sein kannst und es alles annehmen und geniessen kannst!
    Ich freu mich schon auf die Berichte aus dem Zoo und über alles Weitere:-)
    Ganz liebe Grüsse und wir vermissen dich am FKB sehr!
    Im Moment sind wir ja auch wie unter Fremden weil alle umziehen.
    Herzlich von
    Nico

  5. Hi Schnathi,
    super blog – jetzt bist gar nicht mehr so weit weg :o) Lass es Dir gutgehen und viele Grüßean Deine schnuckelige kleine “Gast”-Schwester. LG Bine

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