Was bisher geschah…

Nun bin ich schon über 3 Monate hier und ich kann es kaum glauben wie schnell die Zeit vergeht. Ich habe mich mittlerweile gut eingelebt, mit der Sprache kann ich mich immer besser verständigen und ich habe schon so viele tolle Leute kennengelernt.

Die Situation mit meiner Gastfamilie hat sich ein wenig verändert, nachdem der Alltag eingetroffen ist und ich anfing die Stadt, die Menschen und das Leben hier entdecken zu wollen. Dies an Sich schien bisher auch nicht das Problem zu sein, allerdings hatte ich das Gefühl relativ schnell alleine klar kommen zu müssen, da meine Gasteltern viel arbeiten gehen und auch viel unterwegs sind. Das ist natürlich nicht ganz einfach, wenn man sich noch nicht wirklich auskennt und sich in der Sprache auch noch nicht sicher fühlt. Ich gebe zu, dass ich mit der Selbstständigkeit, die mir zugemutet wurde oft überfordert war, aber letztendlich habe ich so gelernt wie ich mich hier bewegen kann, ohne auf die Hilfe meiner Gastfamilie angewiesen sein zu müssen. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass ich in dieser Familie nicht bleiben würde, da es eine Welcome-Family ist, die mich nur für den ersten Monat aufgenommen hat und meine Organisation nach einer dauerhaften Familie noch suchen würde. Dies kam für mich total überraschend, da ich davon bisher noch nichts wusste. Nachdem ich nun schon 2 Monate in der Familie war, wurde ich ziemlich kurzfristig in einer anderen Übergangsfamilie untergebracht, da das Zimmer meiner kleinen Gastschwerster benötigt wurde und so zog ich zu einer Freiwilligen von AFS nach San Lorenzo, eine kleine Stadt direkt neben Asunción. Dort habe ich mich auch total wohl gefühlt allerdings war die Entfernung zu meiner Arbeit nicht ertragbar. Ich bin jeden Tag 2 Stunden pro Strecke mit dem Bus gefahren um zur Arbeit zu gelangen. Glücklicherweise haben sich meine Freunde, die auch bei AFS aktiv sind dafür eingesetzt, dass ich schnellstmöglich in meine endgültige Gastfamilie wechseln konnte, in der ich nun überaus glücklich bin.

Ich wohne mit meiner Gastmama Rosa in einem kleinen Haus direkt neben meinem Gastopa, meiner Gasttanten und Cousins ziemlich nah am Zentrum und nah an meiner Arbeit. Meine Gastmama ist sehr aktiv und so sind wir gleich am ersten Tag zum höchsten Hügel von Paraguay Tres Kandú und am nächsten Tag zum Hügel Acatí gefahren und haben diese bestiegen. Es war ein total schöner Ausflug und zum Kennenlernen optimal. Auch danach haben wir viel unternommen und sind u. a. zum Sportkurs an der Costanera (der Uferpromenade des Rio Paraguay) und zum Salsa-Tanzen ausgegangen. Es macht unglaublich viel Spaß mit ihr und alles ist super entspannt. Da meine Tante Yoga-Kurse neben unserem Haus gibt, kann ich dort auch mitmachen, was mir total viel Spaß macht. Mit meinem Opa unterhalte ich mich total gerne. Er hat viele interessante Geschichten zu erzählen und ist super witzig. Meine jetzige Familie ist riesig. Ich habe insgesamt 11 Tanten und Onkel und dazu kommen noch deren Kinder und deren Kindeskinder. Als wir nach meiner ersten Woche ein großes Familiengrillen, was hier Asado heißt, veranstaltet haben, konnte ich einen Großteil davon kennenlernen. Eine total herzliche, offene und sympathische Familie. Ein paar können sogar deutsch sprechen, weil sie einen Austausch o. ä. in Deutschland gemacht haben, aber bisher habe ich es vermieden mit ihnen auf deutsch zu sprechen, um mein spanisch zu verbessern. Ich fühle mich hier super wohl und freue mich noch viel Zeit mit meiner neuen Familie zu verbringen.

Mit meinen Freunden habe ich schon sehr viel unternommen und Ausflüge gemacht. Über Ostern waren wir in einem kleinen Ort namens Tañarandy in dem eine große Prozession stattfindet und die Leute anschließend mit Kerzen durch die Straßen gehen. Es war ein sehr toller Ausflug mit vielen chaotischen Ereignissen, aber wir hatten unglaublich viel Spaß. Zudem waren wir auf verschiedenen Festivals und Konzerten, treffen uns im Botanischen Garten, in der Mall oder an anderen tollen Plätzen der Stadt und natürlich haben wir auch schon das Nachtleben entdeckt. Wir haben unglaublich viel Spaß zusammen und meine Freunde hier sind echt toll. Wir sind viel unterwegs und ich genieße jeden Moment. Das Leben, die Kultur und die Menschen sind ganz anders als in Deutschland und mir gefällt es mit jedem Tag mehr. Ich bin nach wie vor total glücklich mit der Entscheidung hier her gekommen zu sein und bereue es zu keiner Zeit.

Natürlich gibt es auch schlechte Tage und Tage an denen ich gerne bei meiner Familie und Freunden in Deutschland wäre, aber in diesen Momenten stelle ich immer wieder fest, wie wichtig mir diese sind und dass diese Momente zu meinem Abenteuer dazu gehören und ich daran nur wachsen kann. Viele Probleme und Zweifel entstehen lediglich im eigenen Kopf, durch zu intensives Nachdenken und Grübeln und diese Erkenntnis hat mich dazu gebracht die Dinge einfach so sein zu lassen wie sie sind. Schlechte Tage gibt es immer, es kann nicht immer alles toll sein und nach einem schlechten Tag kommt ein anderer wahrscheinlich besserer Tag. Da der Mensch ja ein Gewohnheitstier ist, fällt man leider oft zurück in seine alten Muster und ich muss mir dies oft wieder in Erinnerung rufen, aber es macht mich wesentlich glücklicher, nicht immer Alles zu überdenken, zu planen, zu begrübeln, zu hinterfragen.

Eine Eigenschaft, die ich am meisten an den Paraguayern liebe… die Spontanität. Es war zu Beginn nicht einfach sich darauf einzulassen, da ich es aus meiner Heimat eher gewohnt bin, dass alles geregelt und organisiert wird, aber es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man am Anfang des Tages noch nicht weiß, was man erleben wird und am Ende des Tages feststellt, was man alles tolles erlebt oder geschaffen hat. Den Moment, das Hier und Jetzt genießen zu können, ist nicht immer eine leichte Aufgabe, aber wenn man es schafft, ist das Gefühl von Glück, das sich in einem ausbreitet unbeschreiblich und man kann nicht genug davon kriegen!

Mein Projekt

In der zweiten Woche in Paraguay begann die Arbeit in meinem Projekt im Zoo von Asunción. An meinem ersten Tag wurde ich zu meinem Projekt belgeitet und dort vorgestellt. Ich lernte meine Ansprechpartnerin Doctora Alicia kennen, eine sehr sympathische und sehr engagierte Tierpflegerin. Sie zeigte mir den Bereich, indem ich nun arbeite und die Tiere, die dort betreut werden. Es ist ein kleiner Bereich der nicht zum öffentlichen Teil des Zoos gehört und indem es die unterschiedlichsten Tiere gibt.

Wir haben verschiedene Arten von Papageien, Tukane, Eulen, einen Falken, Nasenbären, Ameisenbären, ein Wildschwein, einen Fuchs, Ziegen, Schildkröten, Krokodile, einen Otter, Pumas und verschiedene Affen. Zudem gibt es dort auch einige Tiere die frei herum laufen wie Gänse, Enten, Katzen und ebenfalls einige Affen und Vögel. Die Vielfalt ist echt enorm und diese Tiere aus der Nähe betrachten zu können ist unglaublich spannend. Jedes Tier für sich, ist unglaublich interessant und es macht total Spaß mit Ihnen zu arbeiten. Dem Papagei auf seine „Hola“-Rufe zu antworten, die Nasenbären beim Klettern zu betrachten oder mit den kleinen Äffchen zu spielen ist einfach toll und bereitet mir sehr große Freude. Leider gibt es auch ein paar kranke Tiere in diesem Bereich oder Tiere, die durch schwierige Umstände in den Zoo gekommen sind. So ist zum Beispiel der Otter bei der letzten Flut über den Fluss in die Stadt von Asunción gelangt wo er von Tierliebhabern eingefangen und zum Zoo gebracht wurde. Ebenso sind viele der Vögel, Schildkröten und Affen in freier Natur gefunden worden, die aufgrund von Krankheiten o. ä. alleine nicht überlebt hätten, sodass sie bei uns aufgepeppelt und gepflegt wurden. So kommt es dazu, dass wir oft neue Bewohner in unserem Bereich haben oder alte Bewohner zu den anderen Tieren in den öffentlichen Teil des Zoos gebracht werden.

Meine Aufgabe dort ist es bei der Zubereitung des Futters dieser Tiere zu helfen. Es gibt jeden Tag Äpfel, Bananen, Orangen, Ananas, Salat, Karotten, Tomaten, Mais und Brot und je nachdem auch Melonen, Papaya, Kürbis und natürlich gibt es für einige Tiere auch Fleisch. Bei der Zubereitung ist vor Allem auf die freilaufenden Affen und Katzen zu achten, denn diese stibitzen gerne, wenn man sie nicht im Auge behält. Zusätzlich fallen weitere Aufgaben wie das Sauberhalten des Bereichs und der Tiergehege, wie auch deren Umbau an. Es ist total schön zu sehen, wie sich die Tiere über ein neues oder umgebautes Gehege freuen, wodurch diese Arbeit einen ganz besonderen Reiz bekommt.

Meine Kollegen sind super nett und wir haben zusammen viel Spaß zusammen. Sie erklären mir alles was ich zu den Tieren wissen muss, was nicht immer leicht zu verstehen ist, denn mein spanisch reicht noch nicht aus um alles zu verstehen. Allein die verschiedenen Tiernamen sind schwer zu erlernen, da es für fast jedes Tier zwei Namen, einmal auf spanisch und einmal auf guaraní (die zweite Amtssprache in Paraguay) gibt. Dies wird aber mit jedem Tag besser und ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu.

Der Zoo hat natürlich noch viel mehr Tiere, als die, die es auch in meinem Bereich gibt. Zu meiner Freude hat die Elefantendame direkt neben unserem Bereich ihr Gehege, wodurch es mir möglich ist, sie jeden Tag zu betrachten und zu bewundern. Auch einige Tiger haben ihr Zuhause im Zoo von Asunción, wie auch noch weitere kleinere Raubkatzen, Nilpferde, Strauße, Schimpansen, Tapire, Waschbären, Schlangen, verschiedenste Arten von Vögeln u. v. m. Auch die Umgebung des Zoos ist einfach atemberaubend. Er liegt mitten im botanischen Garten, welcher ein riesengroßes grünes Naturreservat mitten in der Stadt ist. Dieser wird von vielen Einheimischen zum Laufen oder picknicken genutzt und auch ich verbringe dort gerne meine Freizeit. Da es durch die Vielzahl an Bäumen viel Schatten gibt, kann man sich dort auch sehr gut den ganzen Tag aufhalten, solange man mit genügend Mückenspray ausgestattet ist. Sobald die Sonne untergegangen ist, kann man an einem kleinen See die wundervolle Schönheit der aufblitzenden Lichter von Glühwürmchen betrachten, was mich sehr beeindruckt hat. So viele auf einmal habe ich noch nie gesehen!

Zu meinem Projekt im Zoo habe ich zusätzlich einen Monat in einer Schule für Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen geholfen. Die Arbeit dort hat mir sehr viel Spaß gemacht und die Kinder und Lehrerinnen sind mir total ans Herz gewachsen. Leider musste ich aufgrund der Distanz zum Projekt dieses nun aufgeben, aber ich nutze jede Gelegenheit um sie zu besuchen und auch weiterhin zu unterstützen. Dort habe ich sowohl im Unterricht mit den Kindern geholfen, beim Basteln für die verschiedensten Anlässe wie Ostern und Muttertag und auch im Büro der Direktorin habe ich kleine Sekretariatsaufgaben übernommen.