Ich lebe.

Nun sind schon wieder viele Monate vergangen und ich habe wirklich absolut keine Ahnung wie die Zeit schon wieder so schnell vergehen konnte und ich mein Vorhaben den nächsten Beitrag zeitnah zu posten nicht einhalten konnte. Ich hoffe, ihr seht dies genauso wie ich, dass dies nur ein Ausdruck meiner Zufriedenheit hier sein kann. Paraguay ist ein Land, indem man einfach nur das Leben genießt und sich nicht stressen lässt. Diese Eigenschaft habe ich tatsächlich schon voll und ganz angenommen.

Seit meinem letzten Beitrag ist natürlich wieder einiges passiert. Um alles einmal Revue passieren zu lassen, fange ich am besten da an, wo ich aufgehört habe.

Nachdem ich mich also gut in meinem neuen Zuhause eingelebt hatte und meine Freunde immer mehr zu wichtigen Bezugspersonen geworden sind, kam der erste Besuch aus Deutschland. Chiara, ebenfalls Freiwillige und mittlerweile sehr gute Freundin, bekam Besuch von ihrem Papa. Wir haben viel zusammen unternommen und so kam es auch, dass ich das erste Mal zu den großen Iguazu Wasserfällen am Dreiländereck von Paraguay, Brasilien und Argentinien kam. Es war der absolute Wahnsinn! Zuerst waren wir auf der brasilianischen Seite, um die Wasserfälle von dort zu betrachten und der Anblick war einfach nur atemberaubend schön. Ich war sehr gespannt, wie es von der argentinischen Seite aussehen würde, denn wie mir schon viele Paraguayos erzählt hatten, sollte diese noch schöner sein. Das konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht vorstellen. Erst als ich es selber gesehen hatte musste ich dem zustimmen. Es ist einfach unglaublich wie viel Wasser dort hinabfließt, zu sehen wie viel Kraft es hat und wie beruhigend es sich auf den Körper auswirkt. Ich hätte stundenlang in die Tiefen der Wasserfälle schauen können.

Im August kam meine Gastschwester Fernanda zu Besuch. Sie studiert seit einem Jahr Volkswirtschaft Russland. Ich habe mich total gefreut sie kennenzulernen und war beeindruckt von ihren Erfahrungen in Russland. In einem fremden Land auf einer fremden Sprache zu studieren ist beachtenswert. Zu dieser Zeit fand auch das Midstay-Camp von meiner Organisation statt, wodurch meine Ausreisegruppe wieder vereint war. Wir hatten ein unglaublich schönes Wochenende zusammen… haben viel gelacht, viel getanzt und hatten großen Spaß. Es war für uns alle zu diesem Zeitpunkt kaum vorstellbar, dass die Hälfte unseres Jahres schon vorbei ist. Das Jahr schien einfach viel zu kurz zu sein. So entschied ich mich in einer Tanzschule anzumelden, um Salsa zu lernen. Ich habe sehr schnell beschlossen, so viele Kurse wie möglich zu belegen, da es sofort zu meinem absoluten Lieblingshobby geworden ist. Ich bin also mal wieder beim Tanzen gelandet, was ja schon immer meine Leidenschaft war. Natürlich ist Salsa und Bachata (ein weiterer lateinamerikanischer Tanz) eine ganz andere Form von Tanz, als ich sie bisher kannte, ich war dennoch überrascht wie schnell ich es lernen konnte und wie viel Spaß es macht. Sobald ich die Hürde des Nichttrauens und der Angst aus Scharm (welche nebenbeigesagt völlig unsinnig sind) überwunden hatte, war es ein unglaubliches Gefühl, wie viel Spaß man hat und wie befreit man sich danach fühlt. Meine Gastmama Rosa tanzt ebenfalls Salsa wodurch wir viel zusammen ausgehen und miteinander unternehmen und unsere Beziehung noch viel freundschaftlicher geworden ist. Wir haben auch einige Fahrradtouren zusammen unternommen, die mich wieder daran erinnert haben, wie viel Spaß Fahrradfahren machen kann.       Meine Arbeit macht mir nach wie vor große Freude. Ich verstehe mich super mit meinen Kollegen und wir unterhalten uns sehr viel. Es sind sehr witzige und nette Menschen mit unterschiedlichsten Geschichten. Immer gibt es was zu lachen und wenn gerade keiner erzählt werden witzige Videos gezeigt und natürlich wird dabei Terere getrunken. Echt sympathisch! Zusätzlich lerne ich sehr viel über die Tiere, die wir dort haben und es kommen immer neue Bewohner dazu. Es ist total schön mit Tieren zu arbeiten und zu sehen, dass auch jedes Tier seinen eigenen Charakter hat und dieser sich auch ändern kann. So sind mir mittlerweile viele Tiere schon vertraut, die anfangs sehr scheu waren, was die Arbeit mit ihnen natürlich noch viel schöner macht.

Durch all die Erlebnisse hier, die Veränderungen meines Umfeldes und das Kennenlernen einer anderen Kultur und Denkensweise beschäftige ich mich schon lange mit mir und meiner Persönlichkeit. Wer bin ich? Was will ich? Warum tue ich was ich tue? etc. Seit August ist dies noch intensiver geworden, da ich das Meditieren für mich entdeckt habe. In Verbindung mit Yoga ist es für mich die beste Möglichkeit, um mich selber zu reflektieren, auf das Wesentliche zu konzentrieren und mich damit selber zu finden. Ich nutze hierfür ebenfalls viele verschiedene Podcasts und Youtube-Kanäle, die mir zusätzlich besondere Denkanstöße geben. Es ist wahnsinnig interessant, welche Erkenntnisse man daraus ziehen kann, indem man atmet, zuhört und auf seine Gedanken achtet. Es löst auf einmal eine Kettenreaktion aus, die dich verstehen lässt warum du in gewissen Situationen tust, was du tust oder denkst, was du denkst. Es macht total Spaß diese Dinge zu erkennen und zu sehen, wie sich diese verändern können. So habe ich z. B. auch verstanden warum ich eigentlich geraucht habe und bin total stolz, dass ich dies seit September an den Nagel gehangen habe.                       Eine wichtige Bezugsperson hier vor Ort ist eindeutig Anton, ebenfalls Freiwilliger aus Deutschland, geworden. Das hätte ich zu Beginn meines Freiwilligendienstes nie gedacht. Durch seinen Gastbruder bin ich in meine neue Gastfamilie gekommen, wodurch sich unsere Freundschaft noch einmal auf besondere Weise verändert hat. Denn hier fühlt sich alles wie eine große Familie an, zu der wir dazu gehören. Echt schön! So ist er auch zu einer Art Bruder für mich geworden. Anton ist ein verrückter Kautz, aber wie man in Köln so schön sagt: Er hat das Herz am richtigen Fleck! Wir unternehmen sehr viel, haben großen Spaß und führen viele intensive Gespräche. Diese Freundschaft bedeutet mir sehr viel, denn wir unterstützen und motivieren uns gegenseitig. Für die Musikliebhaber unter euch – Anton ist ebenfalls ein sehr guter Rapper. Hier kommst du zu seinen Videos: https://www.youtube.com/channel/UCF2jtGMrnXo2aShfQRVIX7w

Im Oktober wurde es dann richtig aufregend… meine Eltern kamen zu Besuch nach Paraguay. Ich konnte es kaum erwarten, sie endlich wieder in die Arme zu schließen. Eine riesige Freude breitete sich in mir aus, die man mir auch ansehen konnte, wie mir oft gesagt wurde. Wir verbrachten die erste Woche hier bei mir Zuhause mit meiner Gastfamilie. Es war total schön meinen Eltern meine Gastfamilie vorzustellen und natürlich lernten sie auch meine Freunde, meine Arbeit und was ich sonst noch so hier mache kennen. Dadurch können sie so meine heutigen Erzählungen viel besser nachvollziehen, da sie die Personen und die Orte kennen und wissen genau was ich meine. Das ist total toll! Wir haben sehr viel unternommen und alles in und um Asuncion gesehen. Danach begann unser Familien-Abenteuer-Urlaub zu dritt. Wir sind mit dem Auto vom Osten in den Süden Paraguays gefahren und dann in den Westen. Dabei haben wir viele schöne Orte gesehen, Abenteuer erlebt und Paraguay besser kennenlernen können. Das Highlight waren natürlich die Iguazu Wasserfälle, die wir uns von beiden Seiten, also der brasilianischen und argentinischen Seite angeschaut haben. Obwohl ich diese ja schon kannte war es genauso wunderschön wie beim ersten Mal. Einfach nur Wahnsinn! Anschließend ging es dann nach Rio de Janeiro an den Strand der Copacabana. Ich freute mich unendlich auf das Meer und den Strand. Auch wenn das Wetter nicht immer zum schwimmen geeignet war, haben wir viel Zeit an der Strandpromenade verbracht und haben uns natürlich die gesamte Stadt, mit all ihren Sehenswürdigkeiten angeschaut. Insgesamt einfach ein total schöner Urlaub, mit ganz vielen Unterschiedlichen Ereignissen, Abenteuer, Spaß, Erholung, Kultur… der am Flughafen in Rio sein Ende nahm und es hieß erneut Abschied von Mama und Papa nehmen. Es fiel mir deutlich leichter als vor dem Antritt meiner Reise nach Paraguay, aber traurig war ich natürlich trotzdem. Ich machte mir bewusst, dass uns die letzten gemeinsamen Wochen niemand mehr nehmen kann und freute mich einfach darüber, dass wir so einen schönen Urlaub verbringen konnten. Und wie schon vor meiner Reise nach Paraguay festgestellt, sind meine Eltern ja nur einen Flug entfernt!

Es ist nicht zu glauben, dass das Jahr nun bald vorbei ist. Anfang Januar ist mein Programm offiziell beendet. Die Sommerferien haben angefangen und das Klima ist zurzeit erdrückend. Es ist sehr heiß und dazu kommt eine hohe Luftfeuchtigkeit. Ein wenig merkwürdig wenn dann die Weihnachtsdekoration mit Schnee und Eiszapfen sieht, die ich mir zur Abkühlung oft her wünsche. Das Leben fängt in den Abendstunden an, da die Temperaturen dann sehr angenehm sind und man trifft sich zum Essen, auf ein Bier oder was der Abend eben noch so bietet. In Paraguay kann an einem Abend alles möglich sein – man weiß es nie.              Bald kommt der nächste Besuch aus Deutschland, wodurch wir noch weitere Orte kennenlernen und uns noch einige Erlebnisse erwarten werden. Es gibt generell noch vieles, was ich tun und unternehmen möchte und so werde ich im Januar nach Argentinien reisen. Alleine. Das habe ich bisher noch nie gemacht und bin gespannt wie diese Erfahrung werden wird. Dies werde ich auch über meinen Blog festhalten. Der nächste Beitrag über die Reiseplanungen ist schon in Arbeit und ich verspreche, mich schon bald wieder zu melden. Ich freue mich jetzt schon über eure Kommentare.